Kompetenz in Zahngesundheit
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Veröffentlichungen

Leserbrief in den "ZM - Zahnärztliche Mitteilungen" vom 16.9.2017

"Fissuren sauber halten, aber nicht versiegeln"

 

Es ist bemerkenswert und zugleich für die Zahnheilkunde in Deutschland beschämend, dass die einzige Zuschrift auf meinen Leserbrief von einem schweizerischen Zahnarztkollegen stammt. Von dort und anderswo schaut man mit Staunen nach Deutschland.   

 

Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, der sei auf folgende weitergehende Information verwiesen:

 

https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/fissverspatinfo.pdf

 

Auf der zugehörigen Internetseite können Sie bei Interesse auch die Versionen für Zahnärzte nachlesen. Diese Leitlinie aus dem Jahr 2010, ist, wie Sie sehen, "ungültig abgelaufen", da sie 2017 durch eine neue Leitlinie ersetzt wurde:

 

https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/fissverskurz_01.pdf
 
Wenn Sie diese Leitlinien sorgfältig lesen und sich die Bilder dort ansehen, werden Sie feststellen, dass immer wieder "Versiegelungen" auf "Verfärbungen" aufgebracht werden. Nicht jede Verfärbung ist mit einem Kariesdefekt gleichzusetzen, aber die in den Leitlinien dokumentierten Fälle sind fast allesamt Kariesdefekte, die nicht nur den äußeren Zahnschmelz betreffen, sondern auch das darunter liegende Zahndentin. Die alltägliche zahnärztliche Praxis zeigt, dass sich unter der Verfärbung in den meisten Fällen eine sog. Dentinkaries verbirgt. Diese besteht u.a. aus vitalen und abgestorbenen Mikroorganismen. Unser Behandlungsregiment beruht darauf, diese vitalen und auch die abgestorbenen Mikroorganismen mitsamt den von ihnen abgesonderten Giften zu entfernen - und dann erst den Zahn zu versiegeln. Dazu schmiert allerdings nicht die Zahnmedizinische Fachhelferin die Verfärbung mit einem undurchsichtigen (!) Kunststoff zu, sodass man sie nicht mehr sieht und auch nicht mehr kontrollieren kann. Sondern wir müssen das zerstörte Gewebe entfernen und den Defekt dicht und dauerhaft verschießen.
Diese Leitlinien und andere Kassenvorschriften lassen völlig ausser acht, dass es sich bei einem Zahn und ein lebendiges Körperorgan handelt, in dem Stoffwechsel, Durchblutung und Aktivitäten des Immunsystems stattfinden. Und selbstverständlich reagiert unser Immunsystem auf die Mikroorganismen, auf die Gewebszerstörung und die freigesetzten Gifte. Diese werden durch eine oberflächliche "Versiegelung", wenn sie gut gemacht ist, tatsächlich versiegelt, aber nur in dem Sinne, dass man sie nicht mehr visuell kontrollieren kann. Die Mikroorganismen finden auch nach einer derartigen "Versiegelung" im Zahninneren genügend Futter, um ihr Werk fortzusetzen.
Man muss vielleicht auch einmal Verständnis für diese winzigen Organismen aufbringen: sie wollen uns nichts Böses, sondern nur das, was alles Leben will: die eigene Art erhalten. Wir sollten das also nicht persönlich nehmen. Aber wir müssen sie ja nicht auch noch auf Kosten unserer Zähne füttern und züchten ...
 
Der geballten Wissenschaft mit ihren zahllosen akademischen Professoren- und Doktortiteln fehlt oft etwas Wichtiges: der Blick auf den und die individuelle Einschätzung des Patienten. Und: kaum ein Wissenschaftler sieht einen Patienten oder seine Familie, die ganz oft ähnliche Merkmale aufweisen, über längere Zeiträume. Eine längerfristige Betrachtung passt in keine "Studie", denn die müssen schnell veröffentlicht werden, sonst funktionieren die akademischen Karrieren nicht. Und wenn die eine Studie fertig ist, muss die nächste her. Eine "Wissenschaftliche Gesellschaft" wie die "Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde", die ich gern als die "Champions League" der Zahnmedizin bezeichne, wird keinen Studienautor einladen, der ihr vom Mainstream Abweichendes präsentiert. Vielleicht könnte sie das auch gar nicht, weil diese Autoren in ihrer begrenzten Welt gar nicht existieren. Für eine akademische Karriere (in die man auch mich einmal stecken wollte) ist es eher hinderlich, unbequeme Fragen zu stellen.
 
Es existieren folglich auch keine "wissenschaftlichen" Studien, die den langfristigen Nutzen der Versiegelungen (z.B. nach 5, 10 oder 15 Jahren) belegten. Aber jede Menge tiefe kariöse Zahndefekte und durch Wurzelbehandlungen zu Tode gekommene Zahnleichen, die vermeidbar gewesen wären, wenn man nicht "vorbeugend versiegelt", sondern frühzeitig und sachgerecht interveniert hätte.
 
Aber wenn es nur für die eine Meinung öffentliches Geld gibt, dann gibt es eben auch nur für diese eine Fragestellung Studien, Doktorarbeiten, neue Titel und Veröffentlichungen. Und wenn die Krankenkassen für diese "Versiegelungen" bezahlen, dann werden sie auch gemacht. Es wirkt wie eine Gehirnwäsche. Merke: bevor die Kassen die Versiegelungen bezahlt haben, gab es sie gar nicht bzw. es hat sie niemand gemacht.
 
Und jede Wette: für den - unwahrscheinlichen - Fall, dass sie irgendwann einmal aus dem Leistungskatalog der Kassen herausfallen sollten, weil irgendjemand gemerkt hat, dass sie nicht mehr nützen als schaden: sie werden von heute auf morgen nicht mehr gemacht werden, und es wird sie niemand vermissen. Außer denjenigen, die damit Geld verdient haben.
 
   

 

Wenn Sie sich das antun wollen, können Sie hier einen typischen Artikel zum Thema aus einer Fachzeitschrift lesen:

 

Die Hauptautorin (Portrait auf Seite 7) ist auch Mitverfasserin der 2017er Leitlinie. Der Inhalt von 2017 wird dann beispielhaft in einem Artikel von 2018 weiter verwurstet, die Veröffentlichungsliste ist um einen Eintrag länger, ohne dass irgendein zusätzlicher Nutzen erkennbar ist. Es war halt noch Material da ...

 

In der Sache halte ich alle beispielhaft dokumentierten Patientenfälle für mehr oder minder schwere Fälle von "Körperverletzung durch das Unterlassen von zahnärztlich angezeigten Interventionen". Zum Text der Abb.4: ein "hohes Kariesrisiko" wird nicht durch "... "Plaqueablagerung und Gingivitis" signalisiert. Die dargestellten Zähne weisen keinerlei "hohes Kariesrisiko" auf; die Zahnpflege könnte zwar besser sein, aber diese Erkenntnis sollte eher dazu führen, dass man sich um diese Baustelle kümmert, anstatt Kariesdefekte unsichtbar zu machen.

 

Beachten Sie auch den Hinweis darauf, dass der Leser Pflichtfortbildungspunkte erlangen kann (die "2" oben auf der ersten Seite).   

 

 

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© Dr. Ulrich Schneider