Kompetenz in Zahngesundheit
Kompetenz in Zahngesundheit 

Zahnstein, Professionelle Zahnreinigung und Spülungen

Prophylaxe (Erkrankungsvorbeugung), Professionelle Zahnreinigung (PZR), Zahnzwischenraumpflege (Zahnseide, Minibürstchen), Mundspülungen, Zahnsteinentfernung, Individualprophylaxe für Kinder und Jugendliche

 

 

In der Praxis kommt es immer wieder zu Mißverständnissen zu den genannten Themen. Diese Informations steht in engem Zusammenhang mit meinen Merkblättern „Parodontitis“ und „Behandlung von PA-Erkrankungen“, die allesamt auch auf meiner Internetseite zum Lesen und zum Ausdrucken zur Verfügung stehen.

 

Ich werde hier eine Begriffserklärung vornehmen und dabei auch die Vorschriften der gesetzlichen Krankenkassen erläutern. Die Vorschriften sind für alle gesetzlich Versicherten bei allen Zahnärzten gleich und gelten nur für die gesetzlich Versicherten!

 

1.  „Zahnsteinentfernen“:

Das Entfernen des so genannten Zahnsteins kann einmal pro Versicherten und Kalenderjahr vom Zahnarzt gegenüber der Kasse abgerechnet werden. Diese Behandlungsleistung hat nichts mit Prophylaxe zu tun und entfernt auch nicht Beläge, die durch Kaffee, Tee, Rotwein, Rauchen oder Speisereste auf oder zwischen den Zähnen verblieben sind.

 

2.  Zahnzwischenraumpflege (Interdentalhygiene, IDH)

Viele Patienten benutzen keinerlei Mittel zur Zahnzwischenraumpflege (Zahnseide, Bürstchen) oder nur „sehr gelegentlich“. Viele Menschen versuchen, die Anwendung der Mittel zuhause und selbst zu erlernen. Dies führt oft zu Frust und Abwendung von diesen Mitteln, auch, weil Füllungen und Zahnersatz oft so gefertigt sind, dass diese Mittel nicht funktionieren können (Zahnseide reißt immer, geht nicht zwischen „engen“ Zähnen durch, Bürstchen passen nicht zwischen die Kronen oder unter die Brücken etc.).

 

3.  Professionelle Zahnreinigung (PZR)

Bei der professionellen Zahnreinigung in der Praxis werden alle oberhalb des Zahnfleischrands gelegenen Beläge, hart oder weich, welcher Farbe und Herkunft auch immer, entfernt. Es ist nicht möglich, oder zumindest sehr sinnlos, dabei nicht auch den Zahnstein zu entfernen. Die PZR geht also weit über das „Zahnsteinentfernen“ hinaus. Seit Anfang 2012 (bis dahin gab es das nicht) gibt es in der privaten Gebührenordnung eine Nummer für die PZR; im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen gab es dergleichen nie, gibt es nicht und wird es wohl auf absehbare Zeit auch nicht geben.

 

 

Zum „Zahnsteinentfernen“:

 

In unserer Praxis entfernen wir den Zahnstein (zu Lasten der Kasse) in den Fällen, in denen diese Behandlung ausreichend ist, um den Patienten allein hiermit gesund zu halten oder eine weitergehende zur Gesundung oder –erhaltung notwendige Behandlung aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt. Ausreichend ist diese Behandlung in der Regel, wenn die häusliche Zahn- und Zahnzwischenraumpflege so effizient ist (oder der Belagseintrag durch Kaffee, Rauchen etc. so gering ist), dass das Zahnsteinentfernen eben „ausreichend“ ist.

Das bedeutet im Umkehrschluß, dass wir dies nicht tun, wenn damit allein die Gesunderhaltung nicht erreicht werden kann. Wir würden in diesen Fällen das Vertrauen unserer Patienten lediglich als Mittel zum Zweck der Abrechnung einer Leistung gegenüber der Kasse mißbrauchen. Ferner würde sich der Patient in Sicherheit wähnen, da er ja „(elektrisch?) putzt und eine Spülung benutzt, vielleicht sogar: wie vom Zahnarzt empfohlen“. Diese Sicherheit ist jedoch eine Illusion. Es kommt immer wieder zum Mißverständnis, wenn Patienten das Zahnsteinentfernen als „Anspruch“ einfordern. Über allem möglichen „Anspruch“ steht für alle Behandlungen die Bedingung des „Ausreichenden, Zweckmäßigen und medizinisch Notwendigen“. Diese gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen müssen allesamt erfüllt sein; sie sind sinnvoll, und Sie sollten sich darauf verlassen können, dass wir uns verantwortlich und im besten Sinn für Ihre Gesundheit danach richten, dass wir uns aber auch an die Kassenvorschriften halten.

In der seit Anfang 2012 gültigen privaten Gebührenordnung GOZ gibt es dort u.a. eine Position für die PZR. Das bedeutet, dass die Pauschalberechnung gegenüber dem Kassenpatienten nicht mehr zulässig ist. Es ist also in jedem Fall eine Rechnung nach GOZ zu erstellen. Wir beraten und klären Sie vor der Behandlung auf.

 

 

Zur Interdentalhygiene (IDH):

Hier ist es am einfachsten: würden die Menschen dies täglich und effizient tun, so wären wir Zahnärzte arbeitslos, und als erfreuliche Nebenwirkung gäbe es auch keine Angst vor der Zahnbehandlung, - denn es gäbe nichts, wovor man Angst haben könnte (einige Weisheitszahnentfernungen der unangenehmeren Art vielleicht ausgenommen).

Also: wer glaubt, das nicht nötig zu haben, ist selbst schuld. Und: wer sich erzählen läßt und glaubt, dass man mit elektrischer statt Handzahnbürste und Odol (Listerine etc.) die Pflege der Zahnzwischenräume ersetzen kann, gleichermaßen. (Ausnahmen zur elektrischen Zahnbürste: bei Einschränkungen der Motorik der Hände, zwei oder noch mehr linken Händen, oder im Wechselgebiß der Kinder.) Ultraschallzahnbürsten sind nicht schlecht, bringen aber sehr viel Energie an die Zähne und ans empfindliche Zahnfleisch und können besonders bei Anwendung bestimmter Zahnpasten („Anti-raucherzahnpasta“, „Zahnweiß“) mehr schaden als nützen. Skepsis ist auch geboten, wenn eine Zahnpasta in der Werbung daherkommt, mit „künstlichem Zahnschmelz Zahnschäden reparieren“ zu können. Wie immer, wenn künstliche Intelligenz in Flaschen oder in Tuben verkauft wird; das glauben allerdings mittlerweile sogar Zahnärzte.

Zuckerfreier Kaugummi als Ersatz für Zahnpflege? Womöglich „Zahnpflegekaugummi“? Versuchen Sie einmal, herauszubekommen, was an Stelle des Zuckers den süßen Geschmack macht, ohne den der Kaugummi ungenießbar wäre. Wenn Sie das Winziggedruckte alles entziffert und verstanden haben, sind Sie froh, dass kein Plutonium drin ist.

 

 

Zur PZR:

Die „PZR“ wird mittlerweile von den meisten Zahnärzten angeboten. Vereinfacht ausgedrückt kommt der Patient mit Belägen auf den Zähnen in die Praxis und geht ohne sie (die Beläge, nicht die Zähne) wieder nach Hause. Dies ist natürlich sinnvoller als gar nichts zu unternehmen, - oder in dem Glauben nach Hause zu gehen, nach einer „Kontrollsitzung“ mit oder ohne „Zahnsteinentfernung“ sei „ alles in Ordnung“. Unsere Erfahrung zeigt uns aber immer wieder, dass dies allein Zahn(fleisch)erkrankungen nicht verhindert. Der Grund hierfür liegt darin, dass eine Veränderung der Gewohnheiten des Patienten, die zu den Erkrankungen geführt hat, nicht stattfindet. In unserer Praxis entfernen wir nicht nur die Beläge mit allen möglichen Mitteln und nach allen Regeln der Kunst, sondern erarbeiten mit Ihnen die Zahnpflegemethoden mit den Mitteln, die für Ihr persönliches Erkrankungsrisiko, Ihre individuellen Befundsituation und Ihre individuellen Möglichkeiten maßgeschneidert und von Ihnen mit angemessenem Aufwand möglichst täglich durchführbar sind. Auch führen wir eine Ernährungsberatung durch bzw. ermitteln, mitunter mit detektivischen Mitteln, versteckte Gründe für die Erkrankungen. Bei uns wird also nicht nur poliert, sondern auch gesprochen. Erst daraus ergeben sich individuell sinnvolle Zeitintervalle für die PZR, die von 1x/Jahr bis zu „alle 6 Wochen“ bei Hochrisikopatienten oder Menschen mit Handycap reichen können. Die Regel „2x im Jahr zur Kontrolluntersuchung“ oder „ein Stempel pro Jahr ins Bonusheft“ ist eine bürokratische Erfindung ohne Vorbeuge- oder anderweitigen medizinischen Sinn.

 

Durch eine Untersuchung oder einen Stempel ist noch nicht eine einzige Erkrankung verhindert worden. Erst durch die Regelmäßigkeit und Ihre aktiven Rückmeldungen wird die PZR zu einer sinnvollen und effizienten Prophylaxe,

 

verdient diese Bezeichnung, und hierdurch ist sie auch erst das Geld wert, das Sie dafür bezahlen müssen.

 

Daraus ergibt sich auch, und daran können Sie erkennen, ob die regelmäßigen PZRen erfolgreich sind und Sie Ihr Geld sinnvoll ausgeben, dass die PZRsitzungen mit der Zeit seltener stattfinden, kürzer werden und damit weniger kosten. Diese Grundsätze gelten sinngemäß auch für die Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Parodontitisbehandlung.

 

Weniger sollten Sie nicht erwarten und auch nicht bezahlen.

 

 

Zu den Spülungen:

 

Spülungen entfernen keine Beläge, sondern „machen sie nur nass“. Sie können einen frischen Geschmack machen, sind einfach anzuwenden und vermitteln das gute Gefühl, „etwas für die Gesundheit zu tun“. Neben diesen fragwürdigen Wirkungen haben sie völlig unkontrollierte Nebenwirkungen: so löst z.B. Meridol u.a. aufgrund seiner aggressiven Fluoridbestandteile (wissenschaftlich bewiesen!), aus Zahnersatz und Füllungen Bestandteile heraus, u.a. aus Keramiken und Amalgam (Schwermetalle!). Die desinfizierenden Inhaltsstoffe der Spülungen (Chlorhexidin und andere) töten mit ihrer giftigen Wirkung nicht nur unerwünschte Mikroorganismen ab (sonst könnten sie nicht desinfizieren!), sondern verändern auch die gesunde Mundflora in ihrer für unsere Gesundheit wichtigen Ausgewogenheit. Sie werden ferner über die empfindlichen Schleimhäute aufgenommen mit völlig unkontrollier- und unvorhersehbaren Wirkungen auf unser Immunsystem. Manch ein Patient stellt sich mit Schleim-hauterkrankungen im Mund/Rachenraum beim Haus- oder Facharzt vor und wird mit hochkritischen Antibiotika auf „Pilzerkrankungen“ oder Ähnliches behandelt, ohne dass die einfachsten Ursachen ermittelt werden. Dies nur beispielhaft für eine weite Palette von Möglichkeiten, von denen einige erforscht sind, wir die meisten noch gar nicht kennen, die Hersteller aber in keinem Fall eine transparente Verbraucherinformation zur Verfügung stellen.

 

 

Zur Individualprophylaxe (IP):

 

Zum Begriff: das sperrige Wort grenzt die IP von der „Gruppenprophylaxe“ ab, die die Arbeit des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kitas und Schulen beschreibt.

 

Seit Anfang der 90er Jahre des alten Jahrhunderts gibt es für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren die so genannten IP-Leistungen als Kassenleistung. Hier lernt man, wenn man denn will, richtige Zahnpflege, den richtigen Einsatz der richtigen Mittel, und hier findet auch PZR statt. Auch dies ist wichtig und richtig, vor allem vor dem Hintergrund, dass immer mehr jugendliche Patienten einen kieferorthopädischen Eingriff – heute meist mit festsitzenden Apparaturen - mit oft erschwerter Zahnpflege erleiden wollen oder in einigen wenigen Fällen sollten oder müssen. Insbesondere, wenn am Ende der Behandlung ein so genannter Retainer steht, sind die Bemühungen um eine möglichst gute Zahnpflege endgültig konterkariert.

Meine langjährige Berufserfahrung zeigt mir, dass die jungen Erwachsenen, die gute Zahn- und Zahnzwischenraumpflege betreiben, dies nur ganz selten in der Zahnarztpraxis gelernt haben, sondern dies aufgrund der Gewohnheiten in den Elternfamilien tun. Und bei denen, die sich die Zähne eben nicht gut pflegen, sind erschreckend viele, die berichten, dass ihnen ihr Zahnarzt früher die Benutzung einer elektrischen Zahnbürste empfohlen hat, sowie eine Spülung, meist Meridol, siehe oben.

Wie man diesen Widerspruch auflöst, muss jeder selbst entscheiden. Aber wie auch immer diese Entscheidung ausfällt: auch hier ist jeder für sich und seine Gesundheit (und Krankheit) selbst verantwortlich.

 

 

 

Ich bin mir sehr bewusst, dass diese Informationen und unsere Empfehlungen das „Normale“ sehr kritisch würdigen. „Normal“ ist:

„Einmal im Jahr bezahlt die Kasse die Zahnreinigung, das zweite Mal müssen Sie selbst bezahlen“.

„Benutzen Sie eine elektrische Zahnbürste“.

„Benutzen Sie eine Spülung (häufigste Empfehlung des Zahnarzts und der Prophylaxemitarbeiterin: Meridol. Häufigste Besucherin in der Praxis ist: nein, nicht die AVON-Beraterin, sondern die „Medizinprodukteberaterin von Meridol. ???)

 

 

Wenn Sie an dieser Stelle den Eindruck haben, dass ich dies mit einem guten Schuß Sarkasmus beschreibe, dann muß es wohl so sein.

 

 

                                Zum Schluß:

 

Gesunde Zähne und ein gesunder Mund ist ganz einfach, –

 

                           man muß es nur tun.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Ulrich Schneider