Kompetenz in Zahngesundheit
Kompetenz in Zahngesundheit 

Wurzelbehandlung (Endodontie)

Bei einem schmerzhaft erkrankten Zahn, der sich nach der Kariesbehandlung nicht wieder erholt, stehen wir immer vor der Entscheidung, eine Wurzelbehandlung vorzunehmen oder den Zahn zu entfernen. Wurzelbehandlung bedeutet das Entfernen des Zahnmarks, der Bakterien, die zu der Entzündung geführt haben sowie der Gewebsreste aus der Zahnwurzel, schließlich eine Füllung der Wurzel und Aufbaurestauration. Die Wahrscheinlichkeit, dass der endodontisch behandelte Zahn durch die Behandlung dauerhaft erhalten wird, ist von einer Vielzahl von Umständen abhängig (individuelle Besonderheiten beim Zahn, Anzahl der Wurzelkanalsysteme, Erreichbarkeit für die Behandlung, Können und Erfahrung des Behandlers, Ausstattung der Praxis, Kooperation/Belastbarkeit des Patienten etc.) und liegt zwischen 40 und 100%.

 

Seit dem 1.1.2004 gelten die heute gültigen Richtlinien für die Behandlung der gesetzlich Versicherten. Grundsätzlich ist die Übernahme der Kosten für die Wurzelbehandlung durch die Krankenkasse nicht mehr möglich, es sei denn, dass ganz bestimmte, in den Richtlinien eng beschriebene Kriterien erfüllt sind (siehe unten). Es ist schlichtweg und regelmäßig keinem Zahnarzt möglich, vor der Behandlung vorherzusagen, ob die Richtlinien für die Berechenbarkeit der Kasse gegenüber eingehalten werden können. Dies gilt nicht nur für die Molaren („Backenzähne“), wie oft und falsch verbreitet wird, sondern ebenfalls für die Schneide- und Eckzähne, also für alle Zähne. Für die Molaren gelten lediglich noch über die Frontzähne hinaus gehende Beschränkungen.

 

Die regelmäßige Auskunft der Krankenkassen, dass Wurzelbehandlungen grundsätzlich und so wie früher, Kassenleistungen sind, ist falsch und irreführend. Das Gegenteil ist der Fall. Versuchen Sie, die Krankenkasse zu einer schriftlichen Kostenübernahme bei Nicht-Einhalten der Richtlinien zu bewegen, und Sie werden einen ganz anderen MitarbeiterIn erleben.

 

 

Neben der Frage, wer die Behandlung, wenn sie denn rein technisch gesehen möglich ist, und die Richtlinien beachtet werden können, bezahlt, bleibt noch eine wichtige weitere Frage:

Soll eine – mögliche -Wurzelbehandlung überhaupt durchgeführt werden? Jeder tote  Zahn, auch wenn er schmerzfrei und röntgenologisch unauffällig ist, bleibt eine mögliche (Mit)Ursache für ernsthafte chronische Erkrankungen. Ist eine endodontische Behandlung aus allgemeinen gesundheitlichen Erwägungen heraus überhaupt zu verantworten?

 

Wir helfen Ihnen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

Die Risiken für Allgemeinerkrankungen wachsen mit der Qualität der endodontischen Behandlung, der Anzahl der endodontisch behandelten Zähne und der Dauer, die sie im Mund und in Funktion stehen.

Richtlinien für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Im folgenden werden die „Richtlinien“ (nicht vollständig, aber der inhaltliche Sinn wird durch die Fortlassungen nicht verändert) wörtlich zitiert:

      …

  1. Zähne mit Erkrankungen oder traumatischen (unfallbedingten, d.V.) Schädigungen der Pulpa sowie Zähne mit nekrotischem (abgestorbenen, d.V.) Zahnmark können in der Regel durch endodontische Maßnahmen erhalten werden.
  2. Die Wurzelkanalbehandlung von Molaren (Backenzähnen, d.V.) ist in der Regel angezeigt, wenn
  • damit eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann,
  • eine einseitige Freiendsituation verhindert werden kann,
  • der Erhalt von funktionstüchtigem Zahnersatz möglich wird.

 

9.1. Für alle endodontischen Maßnahmen gilt insbesondere:

  1. Eine Behandlung im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung ist nur dann angezeigt, wenn die Aufbereitbarkeit und Möglichkeit der Füllung des Wurzelkanals bis bzw. bis nahe an die Wurzelspitze gegeben sind.
  2. Medikamentöse Einlagen sind unterstützende Maßnahmen zur Sicherung des Behandlungserfolges; sie sind grundsätzlich auf drei Sitzungen beschränkt.
  3. Die Wurzelkanalfüllung soll das Kanallumen vollständig ausfüllen.
  4.  
  5. nach der Entfernung des infizierten Pulpagewebes sollen die Wurzelkanaäle mechanisch-chemisch ausreichend aufbereitet, desinfiziert und bis zur apikalen Konstriktion (an die Wurzelspitze, d.V.) gefüllt werden.
  6.  ...
  7. Bei pulpentoten Zähnen mit im Röntgenbild diagnostizierter pathologischer (krankhafter, d.V.) Veränderung an der Wurzelspitze ist bei der Prognose kritisch zu überprüfen, ob der Versuch der Erhaltung des Zahns durch konservierende (ohne Operation, d.V.) oder konservierend-chirurgische (mit Operation, d.V.) Behandlung unternommen wird.
  8. Für die Therapie von Zähnen mit (schon vorhandenen, d.V.) Wurzelkanalfüllungen und apikaler Veränderung sind primär chirurgische Maßnahmen angezeigt.

 

  1. In der Regel ist die Entfernung eines Zahnes angezeigt, wenn er nach den in diesen Richtlinien beschriebenen Kriterien nicht erhaltungsfähig ist. Ein Zahn, der nach diesen Richtlinien nicht erhaltungswürdig ist, soll entfernt werden. Eine andere Behandlung von nicht erhaltungswürdigen Zähnen ist kein Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung.

 

Alles verstanden?

 

Hintergrund dieser komplizierten Richtlinien und Einschränkungen, die es bis Ende 2003 nicht gegeben hat, ist, dass nach Wurzelbehandlungen trotzdem etwa die Hälfte der Zähne innerhalb kurzer Zeit entfernt werden mussten, was noch höhere Kosten für Zahnersatz nach sich zog.

 

Da in der kassenzahnärztlichen Versorgung generell die Vorschrift gilt, dass Behandlungen mit unklaren Erfolgsaussichten nicht zu Lasten der Krankenkassen durchgeführt werden dürfen, ist die Einführung von Regeln nur folgerichtig. Hinzu kommt, dass der ZahnArzt eine 2jährige Garantie auf seine Leistungen zu geben hat; im Misserfolgsfall muss er damit rechnen, dass die Krankenkasse das Honorar zurück fordert.

 

Also:

 

Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn ich Ihnen sagen muss, dass bei Ihrem Zahn eine Wurzelbehandlung als Kassenleistung nicht mehr möglich ist.

 

Der Hintergrund ist keine Willkür (und schon gar keine Geschäftemacherei), sondern die Erkenntnis, dass mit den herkömmlichen Methoden der Wurzelbehandlung versorgte Zähne oft kurze Zeit später doch entfernt werden müssen. Aus der Sicht der gesetzlichen Krankenkassen ist das unwirtschaftlich.

 

Es ist jedoch meist, unabhängig von den bürokratischen Zwängen, möglich, den Zahn trotzdem und dauerhaft zu erhalten. Dies ist jedoch nur privat möglich, und Sie verstehen nun auch besser, warum der Behandlungserfolg nicht „garantiert“ werden kann. Diese Behandlungen sind schwierig, zeit- und materialaufwändig, und es kommt in Einzelfällen auch vor, dass ich Sie bzw., und Sie werden mir dies für diesen Einzelfall verzeihen, Ihren Zahn, an einen Spezialisten für Endodontie überweise. Dann wird es noch aufwändiger und auch noch teurer, aber das ist fast immer noch der günstigere Weg, als für Zahnverlust auch noch Zahnersatz bezahlen zu müssen. Und, nicht zu vergessen: Sie behalten Ihren eigenen Zahn!

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Ulrich Schneider