Kompetenz in Zahngesundheit
Kompetenz in Zahngesundheit 

Funktionstherapie und Aufbissschnienen

Aufb(e)ißschienen

(„Knirscherschienen, Aufbeißbehelfe etc.“)

 

Aufbißschienen können angezeigt sein, wenn der Patient durch den Zusammenbiss der Zähne Probleme hat, bekommt oder erzeugt. Diese Probleme können vielfältig sein und den ganzen Körper betreffen (Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Migräne, innere Organe, Arme und Beine etc. ). Die Beschwerden können sich durch Knirschen, Pressen, Muskelkater und viele andere Symptome äußern und zu Defekten und Zerstörungen am Zahn und/oder am Zahnhalteapparat führen. Die Ursachen können im „dent“-alen wie „ment“-alen Bereich liegen, oft spielen beide in unterschiedlichem Ausmaß eine Rolle, zusätzlich Faktoren, die wir auf den ersten Blick nicht erkennen oder die wir vielleicht gar nicht kennen, weil sie im Un- oder Unterbewussten verborgen liegen. Auch funktionell wirksame Gewohnheiten, wie z.B. andauerndes Kauen auf Kaugummi können Probleme verursachen, wenn das System aus Muskeln, Sehnen, Bändern, Nerven etc. „nachts den Kaugummi sucht“. Die häufigste Ursache, und das hören die Schul-Kieferorthopäden nicht gern, sind Spätfolgen nach kieferorthopädischen Behandlungen, vor allem, wenn mit festmontierten Brackets behandelt wurde oder sogar früh gesunde bleibende Zähne „zum Platzschaffen“ entfernt wurden. Zudem können schlecht passender, nicht getragener Zahnersatz, unversorgte Zahnlücken oder falsche Bisslagen weitere Ursachen für funktionelle Störungen sein. Auch können - für viele Zahnärzte schwer verständlich -, verlagerte oder im Kiefer gebliebene Weisheitszähne, obwohl sie „keine Probleme machen“, ursächlich sein. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

 

Die Art der Probleme bzw. Schäden bestimmen die Form der Therapie:

 

Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Arten von Außbißschienen:

 

  1. Die Knirscherschiene
  2. Die therapeutische Schiene

 

 

  1. Die Knirscherschiene

 

Knirscherschienen werden i.d.R. ausschließlich nachts entweder im Ober- oder Unterkiefer getragen und umfassen die gesamten Kauflächen und Kanten der Schneidezähne. Sie sind relativ einfach in der Herstellung und werden von den Krankenkassen bezahlt. Ihre Aufgabe ist es, die einzelnen Zähne beim nächtlichen Zähneknirschen „vor sich selbst zu schützen“. Die Kräfte, die dabei entwickelt werden, können ganz erheblich sein, die Zähne mit der Zeit abschleifen und sogar Zahnersatz zerstören. Die Schiene kann auch die Kiefergelenke und den Zahnhalteapparat entlasten („Entlastungsschiene“). Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass eine Knirscherschiene keine therapeutische Wirkung entfaltet. Sie kann im Gegenteil dazu führen, dass durch die täglich zweimalige „Umprogrammierung“ (abends rein, morgens raus) des Systems aus Muskeln und Nerven Probleme erzeugt werden, die der Patient ohne die Schiene nicht hat. Im Rahmen der Therapie mit einer Knirscherschiene werden die Ursachen der funktio-nellen Störungen nicht weiter erforscht. Es gilt das Prinzip „trial and error“, Versuch und Irrtum.

Wenn der Nutzen des Tragens die Unbequemlichkeit nicht erkennbar übersteigt, hält sich die Beliebtheit der Knirscherschiene beim Patienten in engen Grenzen. Die meisten dieser Schienen werden von den Zahnärzten aus nicht immer eindeutig zu erkennenden Gründen „empfohlen“, von den Krankenkassen bezahlt (Kosten 200-300 € !), von den Patienten aber nicht getragen. Es ist aber allemal in jeder Hinsicht billiger, ab und zu eine kaputtgebissene Schiene zu ersetzen als die Zähne …

 

2.  Die therapeutische Schiene

 

Eine therapeutische Schiene kommt dann in Frage bzw. ist notwendig, wenn die Ursache der Funktionsstörung überwiegend im Zusammenbiss der Zähne liegt, mögliche Ursachen siehe oben. Eine Therapie ist aus verständlichen Gründen nur dann sinnvoll und damit Erfolg versprechend, wenn der Patient bereit ist, die Schiene (nahezu) durchgehend zu tragen (außer zum Putzen). Der Patient muss sich im Klaren darüber sein, dass, wenn sich der Erfolg der Behandlung einstellt, er entweder auf Dauer Schiene tragen wird oder die Zähne zum Zusammenbiss komplett restauriert werden müssen (Onlays, Kronen, Brücken, herausnehmbarer Zahnersatz). Wird ohnehin Zahnersatz angefertigt oder erneuert, dann ist die Behandlung mit einer therapeutischen Schiene vor! der Zahnersatzbehandlung notwendig, zumindest sehr sinnvoll. Würde man die Schiene nachts tragen, tagsüber aber nicht, dann würde man 2x am Tag das System umprogrammieren mit völlig unkontrollierbaren Folgen (wie bei der einfachen Knirscherschiene, siehe oben). Die Untersuchung ist aufwendig und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. In besonderen Fällen verwenden wir das computergestützte Systeme. Die Schiene selbst kann so gestaltet werden, dass sie im Alltag nicht stört (Essen, Sprechen etc.). Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn der Patient die Schiene tragen möchte, weil er spürt, dass sie ihm guttut. Ein Erfolg der Behandlung wird vom Patienten meist kurzfristig, d.h., spontan oder innerhalb von Stunden bis Tagen festgestellt. Die Stabilisierung der auf diese Weise ermittelten symptomfreien Bisslage dauert länger (Wochen bis einige Monate) und ist die Grundlage für ggf. neu anzufertigenden Zahnersatz.

 

Gelegentlich wird im Zusammenhang mit funktionellen Störungen auch über eine kieferorthopädische Behandlung bei Erwachsenen diskutiert. Nicht nur, weil die Spätfolgen der kieferorthopädischen Behandlungen der Kinder- und Jugendzeit eine der häufigsten Ursachen der Funktionsstörungen sind, stehe ich dieser Möglichkeit sehr skeptisch gegenüber. Fälle, in denen dort erfolgreich behandelt wird, werden sehr selten dokumentiert, was ein Zeichen dafür ist, dass es dort kein wirklich systematisches und kontrollierbares Vorgehen gibt oder diese „Erfolge“ Zufälle sind. Manchmal ist es hinterher schlimmer als vorher.

 

Der Funktionstherapie, die befundentsprechend auch mit physiotherapeutischen, osteopathischen, cranio-sakralen oder medikamentösen Therapien begleitet werden kann, muss immer eine sorgfältige Analyse vorausgehen. Diese umfasst nicht nur eine Zahnuntersuchung, sondern eine umfassende Anamnese und allgemeine Befunderhebung. Bitte halten Sie möglichst umfassende - nicht nur zahnärztliche - Informationen über Ihren Gesundheitszustand und dessen Geschichte bereit.

Die Untersuchung, die auch als „Funktionsanalyse“ bezeichnet wird, ist vom Patienten privat zu bezahlen (berechnet nach der privaten GOZ, beim Privatpatienten erstattungsfähig im Rahmen seines Versicherungsvertrags, beim Kassenpatienten zur Gänze privat).

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© Dr. Ulrich Schneider